Grand Prix Corum
Auftaktsieg von Alinghi
Text: Vincent Gillioz
Jahr: 2009
Das erste Regattawochenende der Décision 35 bot den Teilnehmern des Grand-Prix Corum gleich die komplette Windpalette. Böen am Freitag, fi lmreifer Wind am Samstag und Flaute am Sonntag. Typischer hätte der Saisonauftakt auf dem Genfersee wohl nicht sein können. Den Neulingen war sofort klar: Ehrenplätze werden hier nicht verschenkt. Alinghi, Okalys-Corum und Julius Bär, das Führungstrio nach der ersten Regatta, wiesen die Gegner in ihre Schranken, als wollten sie der restlichen Flotte klar machen, dass die in den letzten vier Jahren gesammelten Erfahrungen nicht mit wenigen Trainings wettzumachen sind.
Saisonauftaktregatten sind immer ein wichtiges Ereignis. Dann nämlich werden sich die Teams darüber klar, ob ihre winterliche Vorbereitung Früchte trägt und wo sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Der erste Grand-Prix ist eine Standortbestimmung, eine Art Prolog oder Beobachtungsrunde. So auch an der Challenge Julius Bär, an der einige Teams mit stark veränderter Besatzung, andere mit genau der gleichen Aufstellung wie im Vorjahr angetreten sind. Mit besonderer Spannung erwartet und sogar etwas gefürchtet wurden dieses Jahr die prominenten Neuzugänge. Kein Wunder, mischen doch neu die Multihull-Hochseecrew von Pascal Bidegorry, Stève Ravussin und das Duo Ed Baird/Brad Butterworth mit. Der Steuermann und der Skipper der siegreichen America’s-Cup- Kampagne segeln auf der Alinghi SUI-6. Die frühere Cadence wurde kurz vor Saisonbeginn frei, da Jean-François Demolle sich aus der Meisterschaft zurückgezogen hatte. Mit diesem zweiten an der Challenge Julius Bär engagierte Boot will das Team Alinghi im Hinblick auf den Deed of Gift Match im Februar 2010 so viel Mehrrumpf-Erfahrung wie möglich sammeln. Damit wird zum ersten Mal in der Geschichte der Challenge Julius Bär ein sehr einheitliches Feld aus zwölf Booten am Start sein.
Der Startschuss zur ersten Wettfahrt fi el am Freitagnachmittag, dem 8. Mai. Nach monatelangem Warten konnte die Meute endlich zeigen, was sie drauf hat. Und es ging auch gleich heftig zur Sache. Die zwölf Boote starteten bei hinterhältigem, böigem Wind von 15-20 Knoten. Stève Ravussin wurde seinem Ruf als Draufgänger einmal mehr gerecht und kreuzte die Linie als Erster. Alinghi SUI-1 kam zu einem unfreiwilligen „Mann über Bord”-Manöver, weil ein Teammitglied in den See gefallen war. Auch Romandie.com war in Experimentierlaune. Sie kenterte, kam dabei aber gottseidank nicht zu Schaden. Man spürte es förmlich: Die Segler konnten es kaum erwarten, ihrer Energie und ihrem Ungestüm freien Lauf zu lassen! Komplexe wurden verdrängt, die Rückkehr zum Wettkampfsegeln war berauschend, unter diesen Starkwindbedingungen allerdings auch aufreibend. Dafür sollte es laut den Wetterprognosen am nächsten Tag etwas ruhiger zu und hergehen.
Am schönsten war eindeutig der zweite Tag, obwohl der Wind erst am Nachmittag aufkam. Doch dann wurden drei herrliche Regatten gesegelt. Einmal mehr bewies die Einheitsklasse ihre ganze Stärke. An die siegesgewohnten Alinghi SUI-1 und Okalys-Corum kam zwar niemand heran, doch die übrigen Podestplätze wurden abwechselnd von den anderen Teams belegt. Zebra 7, Smart Home, Banque Populaire und Romandie.com bekundeten allerdings noch etwas Mühe und mussten sich vorerst mit einem Platz in der zweiten Tabellenhälfte zufrieden geben.
Am dritten Regattatag war noch immer alles offen. Der Sieg wurde zwischen Ernesto Bertarelli und Nicolas Grange ausgemacht. Äolus gab sich wie so oft auf dem Genfersee launisch und strapazierte die Nerven. Okalys Corum holte sich den ersten, Alinghi SUI-1 den zweiten Lauf des Tages und somit auch die erste Trophée Corum. „In den letzten drei Jahren haben wir das Auftaktrennen immer gewonnen und Alinghi wurde stets zweite”, erinnerte sich Nicolas Grange, der den Sieg nur knapp verpasst hatte. Etwas resigniert fügte er hinzu: “Die Entscheidung fiel jedes Mal im letzten Lauf. Es ist deshalb nur normal, dass sich die Dinge heute gewendet haben. Ich freue mich für sie.”
Dieser erste Grand-Prix war im Übrigen von einigen ziemlich hektischen Bojenmanövern gekennzeichnet. Die neuen Wettfahrtregeln liessen einige Fragen offen, die noch geklärt werden müssen. Auf das Problem angesprochen meinte Jurypräsident Gérard Bosse: „Die Dinge haben sich nicht grundlegend geändert. Der neue Wortlaut der Regeln muss noch von allen verinnerlicht werden, doch alles in allem bleibt das Spiel das gleiche.”
www.challengejuliusbaer.ch Film auf www.skippers.tv
Nach dem Grand Prix Romandie.com, Act II vom 27.-28. Juni Gesamtwertung der Challenge Julius Bär
1. SUI 1 Alinghi 1 5pts
2. SUI 5 Foncia 6pts
3. SUI 2 Okalys-Corum 6pts
4. SUI 3 Julius Baer 14pts
5. SUI 6 Alinghi 2 15pts
6. SUI 9 Smart Home 17pts
7. SUI 7 Zebra 7 FirstCaution 18pts
8. SUI 4 Zen Too 19pts
9. SUI 12 Banque Populaire 21pts
10. SUI 10 Ladycat 27pts
11. SUI 8 Romandie.com 33pts



