Bernard Stamm
Text: Brice Lechevalier
Jahr: 2002
Du hast Dein Boot eigenhändig und ohne fremde Hilfe in einem bretonischen Dorf gebaut. Was hältst Du von den Schweizer Werften?
Sie sind zwar etwas weit vom Meer entfernt, aber trotzdem glaube ich, dass sie professioneller und organisierter arbeiten als die französischen Werften. Das vielbesagte Schweizer Qualitätsbewusstsein ist auch hier deutlich zu spüren. 1989-90 arbeitete ich bei Hägler in Pully. Dort wurden die “Aigles” und die Rettungsboote der CGN hergestellt. Ich spreche also aus Erfahrung. Eine gute Organisation führt meistens auch zu besseren Resultaten.
Was vermisst Du in der Schweizer Segelszene?
Ich halte mich kaum noch in der Schweiz auf und kann diese Frage deshalb nur schlecht beantworten. Allgemein gesehen aber spricht man in der Schweiz nicht genug über olympische Ambitionen. Junge Segler mit dem nötigen Potential haben Mühe ihr Ziel zu verwirklichen, da das Interesse und damit auch die finanzielle Unterstützung fehlt. Sogar die Weltmeisterschaftsläufe finden nur wenig Beachtung. An den französischen Küsten trifft man immer wieder auf “Daniel Düsentriebs”, die alle möglichen Segelerfindungen ausprobieren. Meines Wissens sucht man solche Erfinder in der Schweiz vergebens. Bertrand und Philippe Cardis haben sich in Frankreich im Strandsegeln versucht. Eigentlich würden sich die Schweizer Seen hervorragend für solche Experimente eignen, doch werden sie leider nicht in dieser Richtung genutzt.
Mit Bobst hast du einen langjährigen Sponsor, wie ihn sich viele Schweizer wünschen würden. Welche Art von Vertrag bindet Dich an ihn?
Meine beiden Hauptsponsoren Bobst und Armor Lux teilen sich seit letztem Jahr und vorerst bis Mai 2003 das Budget für mein Boot zu jeweils zwei und einem Drittel. Nach der Around Alone ist noch alles offen. Ich präsentiere ihnen jedes Jahr ein Sportprogramm, für das wir gemeinsam ein Budget erstellen und das dann entweder angenommen oder abgelehnt wird. 2002 mussten wir das Budget leicht überziehen, damit der Mast ausgewechselt werden konnte, aber wir haben alle tief in die Tasche gegriffen. Ich habe die Rückzahlung meiner Schulden um ein Jahr verschoben (Anm. d. Red.: Bernard Stamm hat sich für den Bau seiner Yacht mit 1 Million Schweizer Franken verschuldet).
Wie dankst Du Bobst und Armor Lux Ihr Sponsoring?
In erster Linie hoffe ich natürlich allen Projektteilnehmern zum Erfolg zu verhelfen. Wichtig ist aber auch, dass ich die Erwartungen meiner Sponsoren erfülle und dass ich durch meine Erfolge den Bekanntheitsgrad von Armor Lux erhöhe und die Mitarbeiter von Bobst in das grosse Abenteuer einbinde. Gerade bei Einhandrennen muss ich spüren, dass ich unterstützt werde!
Wozu dient Deine Website www.bernard-stamm.com?
Als Informationsmittel und Treffpunkt. Alle, die an der Konzeption und an der Entstehung des Bootes teil hatten, können seinen weiteren Weg jetzt über das Netz weiterverfolgen. Die anderen haben die Möglichkeit mehr über die Geschichte des Schiffes zu erfahren. Ausserdem können Interessierte mit meinen Teammitgliedern, meinen Sponsoren und mit mir selbst ins Gespräch kommen. Wir möchten die Öffentlichkeit an unserem Abenteuer teil haben lassen.
Du nimmst sowohl an Einhand- als auch an Hochseeregatten mit Besatzung teil. Welche Aspekte schätzt Du bei den beiden Varianten am meisten?
Ich habe in der Tat eine Schwäche für Hochseerennen und versuche in den verschiedenen Disziplinen Erfahrung zu sammeln. Wettfahren mit Besatzung sind in Bezug auf Technik und zwischenmenschliche Kontakte sehr bereichernd. Im Gespräch mit den Fachleuten lerne ich eine Menge hinzu, vor allem in Gebieten, in denen ich noch nicht sattelfest bin. Einhandrennen haben den Vorteil, dass man vollkommen auf sich alleine gestellt ist, alles kontrollieren und niemandem darüber Rechnung ablegen muss. Ich muss weder Konzessionen machen, noch mich mit anderen Sichtweisen auseinandersetzen. Das bedeutet aber auch, dass man keine Hilfe erwarten kann und sehr vielseitig sein muss!
Welche drei Rennen würdest Du in den nächsten fünf Jahren gern gewinnen?
(Grinst) Als erstes die Around Alone, schliesslich nehme ich an diesem Rennen ja auch teil. Dann die Vendée Globe und in vier Jahren die Route du Rhum!
Muss man die Around Alone speziell vorbereiten? Welches sind Deiner Meinung nach Deine gefährlichsten Gegner?
Die Vorbereitung ist sehr langwierig und arbeitsintensiv. Ich habe vor einem Jahr mit Trainingsregatten, Konditionstraining und Kartenlesen begonnen und mich mit den technischen Aspekten befasst. So haben wir zum Beispiel letzten Winter am Mast, am Motor und an der Übertragung beträchtliche Reparaturen und Verbesserungen vorgenommen. Die Yacht muss sicher und widerstandsfähig sein, damit ich weder böse Überraschungen erlebe noch Zeit verliere. Die lückenhafte technische Vorbereitung hatte uns bei der Rubicon den ersten Platz gekostet, da wir kostbare Zeit für kleine Reparaturen aufwenden mussten. Da die Routage nicht zugelassen ist, muss die Strecke vorher genau analysiert werden. Segler, welche die Route bereits kennen, können hier weiterhelfen. Wichtig ist natürlich auch die körperliche Verfassung, denn schliesslich ist man während des ganzen Rennens auf sich allein gestellt! Es gibt keine Patentlösung für die körperliche Vorbereitung, denn man muss nicht nur geschmeidig, sondern auch ausdauernd sein und über genügend Muskelkraft und Widerstandsfähigkeit verfügen um den extremen Belastungen Stand zu halten. Ich habe etwas Triathlon betrieben, am besten ist aber immer noch Regattasegeln. Zur zweiten Frage: Es werden rund ein halbes Dutzend ernst zu nehmende Konkurrenten am Start sein. Thierry Dubois kennt sein Boot sehr genau und hat sich äusserst seriös vorbereitet, der Belgier Patrick de Radiguès tritt mit der ehemaligen Yacht von Parlier an, das Boot von Graham Dalton wurde vom gleichen Architekten gezeichnet wie die Kingfisher, Bruce Schwab besitzt ebenfalls ein neues Boot und auch Tiscali darf nicht unterschätzt werden. Das Rennen ist also völlig offen!
Unabhängig davon, ob du schon mit ihnen gesegelt bist oder nicht, fühlst Du Dich mit bestimmten Seglern besonders verbunden?
Eigentlich verstehe ich mit allen gut. Stève Ravussin ist ein guter Freund, wir segeln aber nicht miteinander. Besonders gern regattiere ich mit Christophe Lebas. Ansonsten verstehe ich mich wohl mit Seeleuten am besten, die gleichzeitig Angelfreunde sind!
Wenn man wie Du den grössten Teil des Jahres inmitten der Ozeane verbringt, was ist einem da im Privatleben am wichtigsten?
Weibliche Präsenz…

