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Alinghi, halt die Ohren steif!

Text: Brice Lechevalier

Jahr: 2009

Seit zwei Jahren muss die internationale Segelwelt ohnmächtig zusehen, wie der
33. America’s Cup immer tiefer im Sumpf versinkt. Alinghi hat 2007 zweifellos etwas leichtfertig gehandelt, als es einen Challenger of Record mit schlecht geschnürtem technischen Dossier akzeptierte. Seither scheinen sich die Amerikaner aber einen Sport daraus zu machen, gerichtlich gegen den Defender vorzugehen. Sie haben in acht Quartalen bereits acht Klagen eingereicht! Die bei Drucklegung von Skippers Mitte November vorerst letzte Beschwerde betraf den Austragungsort Ras al-Khaimah (s. Skippers Nr. 33 oder Skippers.tv). Unparteiische Beobachter sind der Ansicht, dass Alinghi den Urteilsspruch des Richters Cahn, der als Austragungsort des Duells im Februar „Valencia oder jeden anderen Ort auf der Welt“ für möglich erklärt hatte, etwas zu blauäugig interpretiert hat. Die Stiftungsurkunde schreibt nämlich für Wettfahrten zwischen November und März einen Austragungsort in der südlichen Hemisphäre vor, womit das Emirat ausgeschlossen ist. Im Grunde genommen hätte der Richter präzisieren müssen „gemäss den Vorgaben der Deed of Gift“ oder aber „in beiden Hemisphären“.Laut Richterin Kornreich, die den inzwischen pensionierten Richter Cahn ersetzt, hatte ihr Vorgänger es dabei als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Regeln der Deed of Gift eingehalten werden. Unter Amerikanern hält man zusammen, das hätte sich Alinghi eigentlich denken können.

Das Paradox der Vereinigten Arabischen Emirate
Was aber steckt genau hinter Russell Coutts‘ Weigerung, das Multi-Duell in den Vereinigten Arabischen Emiraten auszutragen? Sicher nicht der Vorwand, Ras al-Khaimah sei nicht si-cher, wie die offizielle Begründung von Oracle lautet. Die Hälfte des internationalen Öls wird über diese nur knapp eine Autostunde von Du-bai entfernte Region befördert. Am gleichen Tag, an dem die besagte Mitteilung publiziert wurde, erhielt die Presse auch ein Communiqué der Klassenvereinigung der RC44, das die Vorzüge von Dubai pries und das Kommen von Russell Coutts Ende des Monats ankündigte. Damit nicht genug: Während Louis Vuitton den letzten Event der WSTA* im Jahr 2010 gerne in Hongkong ausrichten würde, zieht Oracle Du-bai oder Abu Dhabi vor. So viel Unaufrichtigkeit schreit zum Himmel! Brad Butterworths verbitterte Erklärungen, dass sein früherer Freund Russell Coutts damit einfach nur Zeit gewinnen will, scheinen zu stimmen. Oracle soll nicht bereit sein. Im Oktober brach der Mast ihres Bootes und im November haben sie damit begonnen, ihr revolutionäres steifes Segel zu testen (im Bild). All das braucht seine Zeit, da kommt der Februar viel zu früh!

Offiziell will Oracle „so schnell wie möglich auf dem Wasser gegen Alinghi antreten“

Anfang November hat Oracle auch die beiden von Alinghi vorgeschlagenen Orte in Australien abgelehnt. Offiziell gab der „Americoutt’s Clan“ bekannt, er sei sehr zufrieden über die Einsicht der SNG und von Alinghi. Ob er im Februar aber in Valencia auch tatsächlich antreten wird, hat er bisher nicht bestätigt. Es wird befürchtet, dass sich Oracle mit einer erneuten Parade aus der Affäre zu ziehen versucht und Alinghi vorwirft, Valencia nicht mindestens sechs Monate vor dem „Deed of Gift“-Match als Austragungsort bekannt gegeben zu haben. Darüber hinaus sind am amerikanischen Gericht noch immer drei Klagen hängig. Eine davon betrifft den Motor, den Alinghi zum Trimmen der Segel installiert hat und der von Oracle auch sogleich kopiert wurde. Was werden sich Larry Ellison und Russell Coutts noch alles einfallen lassen? Kann man dem Defender unter diesen Umständen vorwerfen, dass er sich verteidigt? Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gerechtigkeit durchsetzt! Wir wünschen Alinghi, dass die Revanche klappt und es die zwei am amerikanischen Gerichtshof vergeudeten Jahre so schnell wie möglich mit zwei siegreichen Tagen auf dem Wasser wettmachen kann. Schliesslich soll der Cup wieder zu seinem alten Glanz zurückfi nden und als glamouröses Aushängeschild für den Segelsport wirken. Die Fortsetzung (und die früheren Episoden) finden Sie in der Rubrik „America’Cup“ auf Skippers.tv

Etliche Male zerrten die Amerikaner um Russell Coutts Alinghi in den let-zen beiden Jahren vor Gericht. Kein Vorwand war ihnen zu schade. Jetzt ist Ernesto Bertarelli der Geduldsfaden gerissen. Er gibt nach und akzeptiert den völlig unsinnigen Vorschlag, am 8., 10. und 12. Februar in Valencia zu segeln. Es stellt sich die Frage, was sich BMW Oracle noch alles einfallen lassen wird, um den Defender aus dem Konzept zu bringen.

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