Hyères heute
Das goldene Dreieck an der Côte d’Azur
Text: Sandrine Moirenc
Jahr: 2009
Hyères und die Halbinsel Giens, Brégançon Im Frühling erwacht Hyères, erfüllt vom warmen Licht der Provence, mit ganzer Pracht zum Leben. Eingebettet in eine ungewöhnlich geformte Gesteinswelt zwischen dem Hafen von Toulon und dem Golf von St. Tropez räkelt sich die Stadt in der Sonne; das strahlende Blau des Himmels und das Tiefblau des Meeres geben den Ton an. Hyères, die Stadt der 7000 Palmen! Vier Jahrhunderte schon pflegt der kleine Badeort die Tradition, den exotischen Baum zum Blühen zu bringen. Wie eine endlose Krone zieht sich der Palmensaum über mehr als dreissig Kilometer dem Ufer entlang. Für Tapetenwechsel sorgt auch die ganz andere Lebensart. In den Fussgängergassen, auf den unzähligen Terrassen, bei den Denkmälern, der Stiftskirche und im Hafen – überall erliegt man dem gemächlichen Rhythmus Südfrankreichs. Hier lässt es sich leben! Einen besseren Ausgangspunkt für unsere idyllische Spazierfahrt durch salzgetränkte Luft und erfrischende Gischt kann man sich nicht wünschen. Reizvoll präsentiert sich die Côte d’Azur im französischen Departement Var. Die Insel Giens ist eigentlich keine Insel mehr, seit sie über zwei Dünenstreifen mit dem Festland verbunden ist. Am besten erkundet man sie früh morgens oder gegen Abend mit dem Velo, denn hinter dem unscheinbaren Äusseren verbergen sich ungeahnte Schätze. Ein paar Mal in die Pedale getreten und schon befindet man sich vor dem „Salin des Pesquiers“, einem einzigartigen Salzgarten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er wurde vom „Conservatoire du littoral“ (Küsten-schutzbehörde) bemerkenswert gepflegt und wieder aufgewertet. In Begleitung eines Naturführers kann man hier eine unglaubliche Artenvielfalt entdecken. Aus dem Raster der verschiedenen Becken lässt sich die industrielle Logik von damals ablesen, als Hyères für die Genueser noch der wichtigste Salzproduzent war. Auch einige Originalgebäude, in denen das Salz verarbeitet, verpackt und gelagert wurde, sowie ein äusserst seltenes Trommelrad sind noch vorhanden. Dazwischen blüht Queller mit seinen wechselnden Farben und Schilf, das sich sanft in der Meeresbrise biegt. Etwas weiter stelzt ein Reiher gemächlich durch die Gegend und lässt sich nicht einmal durch das ferne Brummen des Verkehrs aus der Ruhe bringen. Ein Flamingo-Schwarm erhebt sich urplötzlich in die Lüfte. Weiter geht die Fahrt rund um die Salinen nach Giens mit seinem malerischen kleinen Fischerhafen, der bei Mistral ein paar wenigen Booten Zufl ucht bieten kann. Hier kaufen Fischliebhaber früh morgens den frischen Fisch, der gerade erst aus den Netzen befreit wurde. Auf der anderen Seite der Inselspitze steht der „Tour-Fondue“, ein Überrest einer Festung aus dem
17. Jahrhundert, von wo die Fähre zu den Iles d’Or übersetzt. Von hier führt ein Weg über den westlichen Dünenstreifen, wo man erneut Flamingos beobachten oder einfach nur den schönen Strand von Almanarre bestaunen kann. Der über 4 km lange, helle Sandstreifen wird von kristallklarem Wasser umspült, das je nach Wind die Farbe wechselt und auf dem sich Surfer, Funboarder und Kitesurfer austoben. Der paradiesische Flecken lockt zum ausgiebigen Picknick oder – für Mutige – zum ersten Bad des Jahres. Geschichtsinteressierte können einen Abstecher zur nahegelegenen archäologischen Stätte Olbia machen, in der die Überreste eines von den Griechen im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründeten Kontors zu sehen sind. Etwa acht Seemeilen östlich der Halbinsel Giens befindet sich an einer zerklüfteten Küste das Fort Brégançon, die festungsartige Residenz der französischen Staatschefs. Sie bietet fantastische Ankerplätze, unter anderem die Bucht Estagnol mit ihrem durch einen Pinienhain und mehrere private Liegenschaften von der Strasse abgeschirmten Strand.
Die “goldenen Inseln”
Eine Legende erzählt, dass vor langer Zeit der allseits geachtete Prinz Olbianus über die Region herrschte. Er hatte vier wunderschöne Töchter, die alle gerne schwammen. Eines Morgens, als sie sich etwas weiter draussen im Wasser tummelten, erschien plötzlich ein Piratenschiff am Horizont. Der Prinz flehte sie an sofort ans Ufer zu kommen, aber die Prinzessinnen waren zu weit entfernt und hörten seine verzweifelten Rufe nicht. Also bat Olbianus die Götter um Hilfe. Um zu verhindern, dass sie in die Fänge der Piraten gerieten, versteinerten diese die Mädchen. Entstanden sind die drei „goldenen Inseln“ und die Halbinsel Giens. Sie stellt eine der Töchter dar, die mit der Hand gerade noch das Ufer berühren konnte. Heute sind die Schönheiten aus Stein zu echten Inselprinzessinnen geworden. Mit 2,5 Seemeilen Distanz am nächsten am Festland liegt Porquerolles, die erste der „Iles d’Or“. Der Hafen ist erfüllt vom Klappern der vielen Masten im Wind. Unweit des Kais dümpeln am Fischersteg die knalbunten „Pointus“. Sie sind mit allem möglichen Kram beladen, den man braucht um dem Meer die in den Restaurants aufgetischten Köstlichkeiten abzugewinnen. Wenn man rechts an den vielen kleinen Läden des Hafens vorbeigeht, gelangt man direkt auf den anmutigen Dorfplatz, auf dem Eukalyptusbäume kühlen Schatten spenden und dem der Glockenturm der Kirche „St. Anna“ jene für den Süden so typische, träge und friedvolle Atmosphäre verleiht. Da die Insel aus einem grossen, 7,5 km langen und 2,5 km breiten Felsen besteht und von dichter Vegetation überwuchert ist, lässt sie sich nur auf zwei Arten erkunden: zu Fuss oder mit dem Velo. Deshalb gibt es hier auch genügend Fahrradverlehe. Der Weg führt zunächst zum „Silberstrand“
– einem langen weissen, von getrockneten Neptungräsern umrahmten Sandstreifen, der ständig mit dem skandalös klaren Wasser fl irtet. Ein traumhafter Ort! Noch zwei gute Kilometer weiter und am Horizont zeichnet sich die „Pointe du Langoustier“ ab. Der Landstreifen trennt zwei vollkommen unterschiedliche Strände: auf der einen Seite den makellos weissen Sandstrand, auf der anderen den schwarzen, ungewöhnlicheren und stärker sich selbst überlassenen Sandstrand Port Fay in der Bucht Parfait. Hier heisst es umkehren, zurück zum Dorf und dort über eine Verzweigung zum Hameau, wo die botanische Schutzbehörde der Insel ihren Sitz hat. Die Einrichtung setzt sich für den Schutz und den Erhalt der mediterranen Vegetation ein und unterhält Parzellen mit speziellen Gärten und Bäumen. Auf dem Weg bis zum Leuchtturm kommt man an 190 verschiedenen Olivenbaumarten des Mittelmeerraums sowie an 140 Feigen-, Mandel- und Zitrusbaumarten vorbei. Ein Fest für die Augen und je nach Jahreszeit auch für die Nase! Auf der anderen Seite des Dorfes gelangt man zu den zauberhaft schönen Stränden Courtade und Notre-Dame. Obwohl das Festland nur rund zehn Minuten entfernt ist, wähnt man sich hier in einer anderen, unverfälschten Welt des Glücks. Schon von weitem ist erkennbar, dass die zehn Seemeilen vom Festland entfernte Insel Port-Cros noch naturbelassener ist als Porquerolles. Das Refugium für etliche Pflanzen und Tiere gehört seit 1963 zum Meeresnationalpark Port-Cros, der 700 Hektaren Land und 1288 Hektaren Wasserfläche umfasst. Mit dem Boot kann man zwar im Hafen des kleinen Dorfs festmachen, andere Verkehrsmittel als die eigenen Füsse gibt es jedoch nicht. Zur Erkundung der Küste und des Parks wurden zwei Fusswege angelegt. Der erste führt die Hügel hinauf bis zu den fünf Festungen, erfordert aber einen ganzen Tagesmarsch. Der Botanikpfad enthüllt die unglaublich vielfältige und üppige Pflanzenwelt der Insel. Auf dem kleinen Stück des „Massif des Maures“ wächst wie in Korsika eine grosse Bandbreite pflanzlicher Arten: Pinien, Eichen, Erdbeerbäume, Myrten, wilde Oliven usw. Eine Dreiviertelstunde Marsch weiter liegt der mit Tamarinden und Schilf bewachsene Strand Palud. Hier wurde ein Unterwasserpfad angelegt, den man entweder auf eigene Faust oder in Begleitung eines Führers mit Tauchermaske und Schnorchel erkunden kann. Was sich unter der Wasseroberfläche abspielt, übertrifft die kühnsten Erwartungen. Neptungräser, grosse Perlmuttmuscheln, Tintenfische, Rotbarben und Bärenkrebse veranstalten ein unglaubliches Ballett! Erfahrene Taucher können den Gabinière-Felsen erforschen. Scheinbar sollen hier aussergewöhnliche Begegnungen möglich sein. Die Ile du Levant ist von Port-Cros aus mit dem Segelboot in einer halben Stunde zu erreichen. In dem ausgefallenen Paradies leben Soldaten und Nudisten friedlich nebeneinander. Besser, man ist vorbereitet. Ein Grossteil der Insel gehört der französischen Marine und im öffentlich zugänglichen Teil liegt Heliopolis, das erste in Europa eröffnete Nudistenzentrum (1931). Für die Besucher bleibt immerhin noch der botanische Pfad, der durch eine eindrückliche Pflanzen- und Gesteinslandschaft führt.
NÜTZLICHE INFORMATIONEN
Fremdenverkehrsbüro in Hyères
3, av. Ambroise Thomas
Tel.: +33 4 94 01 84 50
Segelbootcharter:
APACA, 21-28 Centre du nautisme, 83400 Hyères les Palmiers,
T: 04 94 38 33 84 (a.pasquier@apaca.fr )
International Yacht Club de Hyères
61 avenue du Dr Robin 83400 Hyères
Tel.: +33 494 57 00 07
Port St. Pierre: Es gibt zwei Einfahrten, eine im Süden mit drei Hafenbecken, dem Hafenamt, einer Schiffswerft und einer Bunkerstation, die andere im Norden mit einem Nebengebäude des Hafenamtes und einer zweiten Schiffswerft. Bei starkem Wellengang und Ostwind ist Vorsicht geboten. Ansonsten ist der Hafen sehr gut organisiert, bietet umfassende Leistungen und bemüht sich um einen umweltgerechten Betrieb.
Tel.: +33 4 94 12 54 40
Restaurant l’Estagnol: Während der Saison hat im Pinienhain der zwischen Londe und dem Cap Bénat gelegenen Bucht l’Estagnol ein sehr gutes Restaurant geöffnet. Die Holzfeuer-Küche schmeckt köstlich. Spezialitäten: gegrilltes Rindskotelett oder Pasta mit Langusten.
Tel.: +33 4 94 64 71 11
Hafen von Porquerolles: Er ist gut geschützt und bietet neben den 300 Liegeplätzen auch 62 Besucherplätze. Allerdings kann hier das Wasser knapp werden. Wenn die täglichen 60 m3 Wasser aufgebraucht sind, wird der Hahn zugedreht. Es ist deshalb auch verboten das Boot zu putzen. Nützlich können die Bunkermöglichkeit und die Schiffswert auf der Insel sein.
Tel.: +33 4 98 04 63 10
Restaurant Le Mas du Langoustier: Ein Gourmet-Restaurant auf einem Felsvorsprung direkt oberhalb der beiden Strände an der Westspitze der Insel.
Tel.: +33 4 94 58 30 09
Hafen von Port-Cros: Er bietet keinen sicheren Schutz, verfügt aber über 45 Liegeplätze und 42 Ankerbojen für Gäste. Strom gibt es keinen und in der Hochsaison wird das Wasser auf 20 Liter pro Tag und Person rationiert.
Tel.: +33 4 94 01 40 70
Nationalpark: +33 4 94 01 40 70
Restaurant Le Manoir: Das 300 Meter rechts vom Hafen gelegene Restaurant besticht durch sein diskretes, persönliches Ambiente. Hier wird Luxus als Einfachheit und guter Geschmack definiert. Le Manoir hat eine Seele, die auch in der schmackhaften, südfranzösischen Küche zur Geltung kommt.
Tel.: +33 4 94 05 90 89
Olympische Woche, iShares Cup, 8mR-Weltmeisterschaft und die Meeresregatta der Société Nautique de Genève: In dem Inselparadies und seinem 27 Hektar grossen bipolaren Segelrevier folgt ein Grossevent auf den nächsten. Auf der Hafenseite und um die Iles d’Or sorgen Thermik und stark wechselnde Westwinde für optimale Segelbedingungen, im Westen befindet sich der beliebe Surfspot Almanarre. Auch die unberührte Natur hat so einige Schätze zu bieten.




