Empfehlen
Siehe auch

Vorgeschmack auf den Skippers Cup durch die BVI

Faszinierende Romaninseln

Text: Marie-Catherine Georgelin

Jahr: 2011

Kurze Distanzen zwischen den Inseln, konstanter Passatwind, schwache Strömung, ruhiges Meer und Liegeplätze an Bojen: Die britischen Jungferninseln eignen sich für alle Fahrtensegler.

Der Törn ist aufs Genauste geplant, von Boje zu Boje und von Insel zu Insel. Wir befinden uns auf den Britischen Jungferninseln, einem der wichtigsten Charterzentren für Fahrtenjachten. Rund um die Moorings-Basis in Tortola herrscht reges Treiben, die Pontons sind voller Leute. Dabei ist erst Anfang November und die Saison hat gerade erst angefangen. 250 Boote warten auf ihre Gäste – eine zahlungskräftige Kundschaft, hauptsächlich aus den USA. Kein Wunder, tragen die Boote englische Namen. Unseres heisst Wind. Laurent und ich werden eine Woche auf der 13 Meter langen Sun Odyssey 44 verbringen. Sie scheint mir plötzlich riesig!

Um 16 Uhr nehmen wir Kurs 200° Richtung Norman Island. Wie uns die örtlichen Fremdenführer erklären, liess sich Robert-Louis Stevenson von der Insel für seinen Roman „Die Schatzinsel“ inspirieren. Wie viel an dieser Geschichte wahr ist, lässt sich schwer beurteilen. Fest steht, dass der unauffällige Felsen vielen Freibeutern als Zufluchtsort diente. Im 17. Jahrhundert waren die British Virgin Islands (BVI) strategisch gut gelegen. An ihnen führte die Route von Amerika nach Europa vorbei und sie sahen regelmässig die „Flota“ – einen Konvoi Galeonen, die mit den geraubten Schätzen der Indianervölker beladen waren – vorbeiziehen. Blackbeard, Captain Kidd, Sir Francis Drake und andere Piraten lauerten den Schiffen auf und plünderten sie. Einige der Schätze sollen noch immer auf Norman Island schlummern.

Am Strand gegrillte Langusten: ein köstlicher Klassiker auf den BVI.

Die Fünfsternemarina Bitter End Yacht Club im North Sound von Virgin Gorda: ein idyllischer, vorbildlich gepflegter und gut organisierter Hafen.

Money = Pirat

Ich übernehme das Steuer. Langsam gewöhne ich mich an die Grösse der Wind. Ich habe Spass, lasse mir den warmen Wind um die Nase wehen und mich von der lauen Gischt besprühen. Wir fahren an Pelican Island, einer runden, grünen Vulkaninsel vorbei. Mit zwei langen Schlägen gegen den Passat umrunden wir Norman Island auf der Südseite und bemerken dabei nicht, dass die Sonne langsam untergeht. Es ist 17 Uhr und in einer halben Stunde ist es stockdunkel. Nachts sollte man hier nicht segeln, denn die Versicherungen kommen für allfällige Schäden nicht auf. Wir erreichen Money Bay und es ist kein einziges Licht zu sehen. In unserer Vorstellung verbarg sich hier früher ein Piratennest. Money = Pirat, dachten wir. Ob wir da falsch lagen? Jetzt ist die Dunkelheit endgültig hereingebrochen. Wir segeln in einem unbekannten Revier und könnten uns ohrfeigen, dass wir so spät aufgebrochen sind. Erst, als wir Normand Island einmal ganz umrundet haben, entdecken wir hinter einer Inselspitze ein Ankerlicht. Plötzlich sind es zwei, dann zwanzig, fünfzig… Eine schwimmende Konstellation unterm Sternenhimmel! Kein Zweifel, hier sind wir richtig. Es steht sogar in Grossbuchstaben auf unserer Boje: Pirate’s bight. 25 Dollar die Nacht. Pirat = Money, wusste ich’s doch.

Fünf Seemeilen weiter liegt Treillis Bay. Der Wind bläst mit gut 20 Knoten und Spitzen von 25 Knoten aus Nordost. Wir kreuzen im Sir-Francis-Drake-Kanal und fahren dann Peter Island entlang. Sie ist mit 65 Dollar Ankergebühren pro Nacht zwar die teuerste Insel, dafür verfügt sie aber über ein Luxushotel. Die BVIs mit ihren rund vierzig Inseln haben eine Vielzahl verschiedener Bootsplätze zu bieten, einige mit Ankermöglichkeit, die meisten aus Gründen des Naturschutzes aber mit Boje. Wir wenden vor Salt Island. Vor der Südwestspitze dieser kleinen Insel liegt in 15 Metern Tiefe das Wrack der Rhône. Der englische Postdampfer hatte am 20. Oktober 1867 während eines Wirbelsturms Schiffbruch erlitten. Mit dem Fernglas entdecke ich einen kleinen Landesteg, eine nahezu unberührte Bucht ohne ein einziges Boot oder eine Boje. Hierhin werden wir zurückkommen!

Kurs auf Virgin Gorda: Der Passatwind bläst mit 10 bis 20 Knoten und die Temperatur liegt zwischen 24 und 31 Grad. Ein Traum für jeden Törnsegler!

Wellengang stärker. Um 12.45 Uhr vertäuen wir die Wind in der Trellis Bay. Viele Künstler leben in der Bucht. Kneipen, Hängematten, Musik, Shops mit Kunsthandwerk, Biogemüse… hier muss man sich einfach wohlfühlen. Es herrscht eine nach Freiheit duftende, poetische Hippie-Stimmung, weit weg vom Massentourismus. Die englischen Antillen gleichen ihren französischen Schwestern nicht wirklich. Die kreolische Kultur scheint hier weniger lebendig, Reggae ersetzt den Zouk und in jedem Restaurant werden Hamburger und Pommes Frites serviert. Einzig die Zeit plätschert auch hier im gemächlichen karibischen Rhythmus dahin.

Geologisches Wunder

Laurent bereitet ein Poulet-Curry mit Kokosnuss zu. Zwölf Schenkel liegen auf der Platte! Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5.30 Uhr. Nach ein paar Schlägen sind wir in Marina Cay, einem hübschen Eiland, das in ein Hotel-Restaurant umfunktioniert wurde. Hier herrscht absolute Stille, irgendwie wirklichkeitsfremd. An den Wänden des Speisesaals hängen alte Schwarzweissbilder. Sie erzählen die Geschichte von Robb und Roddie White. 1937, als die beiden gerade einmal vier Monate verheiratet waren, verliebten sie sich in Marina Cay und erkauften sich für 60 Dollar das Recht, sich hier niederzulassen. Sie flohen vor der Welt und bauten mit eigenen Händen ein kleines Haus. Drei Jahre wachte es über ihre Liebe. Unbeschreibliches, unbeschwertes Glück, absolutes, vergängliches Abenteuer ihrer Jugend. Ihr Zufluchtsort hoch oben auf dem Hügel dient heute als Lesesaal für die Hotelgäste. Ihre Liebe ist in der Schönheit des einfachen Ortes, in den Farben der Bougainvillea und in der warmen Luft, die durch die Fenster hineinweht, noch immer zu spüren. 1940 herrschte Krieg. Das Paar musste fliehen und kehrte nie mehr auf die Insel zurück. Doch Schriftsteller und Drehbuchautor Robb White erzählt seine Geschichte im 1954 erschienenen Buch „Our Virgin Island“.

Am Strand „The Bath“ auf Virgin Gorda bilden gewaltige, wahllos angeordnete Granitblöcke ein geheimnisvolles Labyrinth. Ein Wunder der Natur und, wie in allen Reiseführern betont wird, DIE Sehenswürdigkeit der BVIs schlechthin. Wir haben eigentlich gar keine grosse Lust, uns diese Attraktion anzuschauen, aber der Wind treibt uns ohne Kraftaufwand dorthin. Wir befinden uns in einem der 17 Nationalparks des Archipels. Dinghis sind verboten. Wer „The Bath“ besichtigen möchte, der muss schwimmen. Heute wurde wegen der starken Dünung die rote Flagge gehisst. Pech gehabt, dann besuchen wir „The Bath“ eben auf dem Landweg. Unterwegs herrscht fröhliche Stimmung. Aus den roten gelben und blauen kreolischen Häusern dringt Reggae. Wir werden von den Einwohnern ausnahmslos herzlich gegrüsst. Dann sind wir plötzlich da: Wir spazieren durch das Murmelspiel eines Riesen. Mitten in diesem steinernen Chaos liegen smaragdgrüne Pools. Eine echte Traumkulisse!

Am nächsten Tag zeigt das Thermometer 30 °C an und am Strand sind nur Pelikane zu sehen. Wir machen uns in aller Frühe auf den Weg. Wir wollen eine geschützte Bucht suchen, damit das ständige Stampfen endlich aufhört. Besser als im Gorda Sound, einer Art Binnensee im Norden von Virgin Gorda, hätten wir es nicht treffen können. Wir bleiben zwei Tage dort, so sehr geniessen wir die Ruhe. Der nördliche Teil der Bucht heisst Bitter’s End und sieht aus wie eine grosse Fünfsternemarina. An Land ist alles perfekt gepflegt. Vom höchsten Punkt der Insel aus können wir Anegada sehen!

Kurs auf die versunkene Erde

Frisches Bier, kristallklares Wasser und Kokospalmen – das findet man in der Restaurant-Bar auf dem Eiland Saba Rock (rechts) im North Sound von Virgin Gorda. Richard Bransons Privatinsel Necker Island liegt nur ein paar Kabellängen entfernt.

Anegada, die einzige Koralleninsel der BVIs, liegt am Ende der Welt. Ihr spanischer Name bedeutet übersetzt „versunkene Erde“. Kurs auf 005°. Den Blick auf den Tiefenmesser gerichtet gleiten wir durch das türkisblaue Wasser. Direkt vor uns befindet sich das Horse Shoe Reef – ein hufeisenförmiges Korallenriff, auf dem über 250 Wracks liegen. Eines der jüngsten ist eine 60-Fuss-Swan, die 1989 am Riff zerbrach. Welcome to the paradise! Ein Motorboot steuert direkt auf uns zu und bietet uns Langusten und einen Musikabend an. Auf der 200-Seelen-Insel scheint die Zeit still zu stehen. Die Strände von Anegada sind traumhaft schön, riesig und fast menschenleer. Wir erkunden die Insel mit dem Motorrad. Es ist warm und wir haben viel Spass auf unserem Gefährt. Als wir unvermutet auf eine Betonstrasse geraten, geben wir Gas… und prallen mit voller Wucht in eine wegen Bauarbeiten aufgestellte Absperrschranke. Vielleicht sollten wir doch besser zurück aufs Boot…

Um unser Versprechen einzuhalten, in die zuvor entdeckte einsame Bucht zurückzukehren, steuern wir Salt Island, den letzten Stopp unserer Törns auf der Wind an. Krähend begrüsst uns ein Hahn. Von den wenigen verlassenen Hütten, jenem Mann, der vor seinem Feuer sitzt, und dem Hahn, der verzweifelt versucht so etwas wie einen Gesang zustande zu bringen, geht eine sanfte, resignierende Melancholie aus. Wie wird das Leben hier in Zukunft aussehen? Ein Hotel, kostenpflichtige Bojen und zurechtgestutzte Bäume? Der Reiz von Salt Island ist ein Salzkorn, das sich schon bald in der Geschichte auflösen wird.

Anegada, die einzige Koralleninsel der BVIs, wird von einem Riff gesäumt, auf dem nach lokalen Registern rund 250 Wracks liegen. Auch die fantastischen Strände sind einen Umweg wert!

Salt Island ist heute unbewohnt. Im 19. Jahrhundert gewannen die Bewohner Salz aus den beiden Brackteichen (einer ist rechts zu sehen).

Die Wind im Kanal Sir Francis Drake. 1581 wurde der Freibeuter und Pirat von Elisabeth I. von England geadelt. Nicht sehr wählerisch, die Queen!

Die berühmten Britischen Jungferninseln östlich von Puerto Rico gehören zu den Lieblingsrevieren der angelsächsischen Fahrtensegler. Der Archipel mitten in der Karibik ist nicht nur wegen der einfachen Navigation bei konstanten thermischen Winden und 28 °C warmem Wasser, sondern auch wegen der unglaublichen Schätze seiner unberührten Natur beliebt. Zwei Jachtsegler haben sich aufgemacht, die Küsten genauer zu erkunden.
Lust auf einen Törn durch die BVIs? Dann nehmen auch Sie am Skippers Cup teil!

Im November 2011 feiert das Magazin Skippers, Segeln & Ozean sein 10-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass organisiert es zusammen mit Fert Yachting eine Rallye durch die BVIs an Bord von 16 Océanis 40. Wir haben für diesen Grossanlass ein einmaliges Paket ausgehandelt: Flug ab Genf/Zürich, Transfer zur Moorings-Basis, Segelcharter (3 Doppelkabinen) mit Kautionsversicherung, Regattaorganisation und technischem Service (Wartung, Transfer der Dinghis bei Regatten usw.), Rahmenprogramm, Wettbewerb, Begrüs-sungscocktail, Preisverleihung, 4 Abendessen, Versicherungen, Erinnerungsfilm, Fotoreportage in Skippers und Preise im Gesamtwert von über CHF 25‘000.-, das Ganze für nur CHF 3’333.-/Person. Start ist der 11.11.2011. Nur noch wenige Boote verfügbar!

Einzelheiten auf www.skippers.tv. Für Anmeldungen melden Sie sich bei Fert Yachting, 022 / 730 47 81.