Les Voiles de Saint Barth
Wenn Träume wahr werden
Text: Denis van den Brink
Jahr: 2011
Saint Barth bietet alles, was die Herzen der anspruchsvollsten Regatteure höher schlagen lässt: konstanten, kräftigen Wind, bewegte See mit starkem Wellengang unter azurblauem Himmel, viel Sonne und zauberhafte Meereslandschaften, die einem nach jeder Wende von neuem ins Staunen versetzen. Doch Saint Barth steht für mehr als nur Spass auf und im Wasser, das wissen auch die Organisatoren. Die Erwartungen an den paradiesischen Flecken Erde sind hoch. Auf diese Karibikinsel kommt man, um sich nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen. Hier will man den Wind, das Meer und die schönen Boote geniessen und auch das vor die Tore Amerikas exportierte sprichwörtliche französische Savoir-vivre erleben. Und genau das taten die an den Voiles de Saint Barth engagierten Eigner. Sie waren sich nach den vier hart umkämpften Läufen dann auch einig: Saint Barth ist definitiv „the place to be!“

Das Puma Ocean Racing Team (Volvo Ocean Race) um Steuermann Ken Read hat die Insel Saint Barth auf der Rambler 100 in 2h12‘ umrundet. Die nach Plänen von Kouyoumdjian gebaute Jacht ist mit einem 44 m hohen Mast und einem Schwenkkiel ausgestattet. © Christophe Jouany
Schöne Jachten und namhafte Skipper

Bruno Troublé am Steuer der CNB 76 Spiip äusserte sich begeistert über das Regattaformat: „Die Voiles de Saint Barth erinnern mich stark an die Anfänge der Nioulargue. Auch dort nahmen die unterschiedlichsten Boote teil.“ © Christophe Jouany
48, in fünf Klassen aufgeteilte Boote von unterschiedlichster Grösse gaben sich an den Voiles de Saint Barth 2011 ein Stelldichein. Sie kamen aus 20 über den ganzen Erdball verteilten Nationen. Amerikaner, Neuseeländer und Australier waren genauso vertreten wie Franzosen und Niederländer. Dank des von Seeleuten, Skippern und Eignern einstimmig begrüssten Konzepts konnten sich 400 Segler auf abwechslungsreichen Kursen rund um die Insel Saint Barthélemy auf engstem Raum miteinander messen und zwischendurch an Land gesellig beisammensitzen und karibische Sonne tanken.
„Saint Barth ist der ideale Ort für den Saisonauftakt“, sagte der Amerikaner Ken Read begeistert. Er stand mit seinem Enthusiasmus nicht allein da. Bruno Troublé, die Eigner Jim Swartz und George David, die America’s-Cup-Cracks Hugo Stenbeck, Gavin Brady und Peter Holmberg und auch die namhaften Hochseesegler Lionel Péan, Jacques Vincent und Bryan Thompson hatten Feuer gefangen. Sie gingen bei den technisch anspruchsvollen Kursen, die der reviererfahrene Segler Luc Poupon ausgesteckt hatte, im ebenso heissen wie belebenden Passatwind alle an ihre Grenzen.
„Nirgendwo sonst kann man bei Brise, in der Sonne und bei warmer Gischt segeln“, schwärmte Ken Read, der Skipper der Maxijacht Rambler 100.
Der von Kouyoumdjian designte Kraftprotz war wie zu erwarten eine Klasse besser als die Konkurrenz. Doch das Puma Ocean Racing Team um Eigner George David und Skipper Read liess es sich nicht nehmen, das grosse Handicap, das die imposante Dubois-Jacht Genuine Risk, Eigentum der US Merchant Marine Academy, deutlich bevorteilte, auf dem Wasser wettzumachen. Ganz einfach war das Unterfangen nicht, schliesslich lagen die Geschicke des Schiffes in den erfahrenen Händen des Schweden Hugo Stenbeck. Der Kampf der beiden vor Kraft strotzenden Riesen, bei dem die Maxijacht Sojana vergeblich mitzumischen versuchte und bei dem die Kolosse zeitweise mit über 25 Knoten durch die Wellen pflügten, sorgte auf dem aufgewühlten Meer für eine fesselnde Show.
Action an allen Fronten
Der Olympiasegler und America’s-Cup-Spezialist Gavin Brady aus Neuseeland erlebte in den Antillen eine in allen Punkten vergleichbare Woche wie sein Kollege Ken Read. Er steuerte die schnelle TP 52 Vesper, die frühere Quantum und Eigentum des Amerikaners Jim Swartz. Auch er kämpfte in der kompakten, sehr unterschiedlichen Flotte aus zwölf 50-Fuss-Jachten eher gegen die Zeit und das Handicap als gegen die Konkurrenten und legte auf den rund zwanzig Seemeilen langen Kursen, bei denen wegen der vielen Felsen und kleinen Inseln höchste Präzision gefragt war, eine bemerkenswerte Leistung hin. Vesper überzeugte sogar bei Kabbelsee mit über drei Meter hohen Wellen. „Die Voiles erinnern mich stark an die Bedingungen in Hawaii: hohe Wellen, starker Wind und sehr warmes Meer. Ein reines Vergnügen!“ sagte Gavin Brady. Das findet wohl auch Jim Swartz. Er liebe die Voiles, meinte Brady. „Wir waren schon letztes Jahr hier und er unterschrieb danach sofort für das nächste Jahr, wobei noch nicht festlag, ob er mit der Vesper oder mit der Moneypenny kommen würde.“
Eine Jacht konnte der souveränen Vesper trotz ihrer Überlegenheit lange Zeit die Stirn bieten. Antilope, die Regattaversion der Grand Soleil 43 und Eigentum des Niederländers Willem Wester, befindet sich zurzeit in Hochform. Seit einem Jahr scheint ihre Siegesserie nicht abzureissen. Nach erbittertem Widerstand musste sie sich dann aber doch der amerikanischen TP 52 geschlagen geben. Ebenfalls eine gute Figur machte Peter Cunningham und sein von Tony Rey angeführtes Team aus den USA auf der schnellen, für die Regatta speziell aufgerüsteten Farr 60 Venemous. Der Skipper wird übrigens bald auf seiner eigenen TP 52, der ehemaligen russischen Synergy segeln.
Erfolg auf ganzer Linie
Zukunftssorgen scheinen die Voiles de Saint Barth keine zu haben. Die Mund-zu-Mund-Propaganda zwischen Skippern und Eignern funktioniert prächtig und einen besseren Werbekanal gibt es wohl kaum. Bestärkt durch den Boom erwarten die Organisatoren eine vielversprechende „Wachstumskrise“. François Tolède macht kein Geheimnis daraus, dass es schon bald eng werden könnte. Der Veranstalter verweist auf die beschränkte Aufnahmekapazität des kleinen Hafens von Gustavia. Wer sich einen Platz an dem karibischen Topevent sichern wolle, der müsse sich früh anmelden. „Das Konzept, bestehend aus einer Mischung aus seriösen Regatten und Geselligkeit an Land, einer grossen Bandbreite an modernen und klassischen Jachten in allen Grössen und einem Revier mit traumhaften Segelbedingungen, kommt überall gut an. Es erntet viel Lob und dieses verbreitet sich bei Skippern und Eignern aus der ganzen Welt wie ein Lauffeuer. Sie alle prophezeien uns einen exponentiellen Erfolg. Wir behalten aber einen kühlen Kopf und stellen uns schon jetzt auf die willkommene Wachstumskrise ein, indem wir auf zueinanderpassende Klassen, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Sport und Unterhaltung und einen erstklassigen Empfang achten.“ Nächster Termin ist der 2.-7. April 2012.
Die Voiles de Saint Barth haben ihre Teilnehmerzahl bereits bei ihrer zweiten Austragung verdoppelt. Eigentlich Grund genug zu jubeln. Doch die wirkliche Genugtuung lag anderswo: Die 400 zu diesem Segelfest geladenen Gäste haben das vielfältige Wassersportangebot und das abwechslungsreiche Rahmenprogramm dieser einzigartigen Regatta vom 4.-10. April in vollen Zügen genossen.
Saint Barth vom Wasser aus
Auf Saint Barthélemy geht es auf dem Wasser genauso gesittet zu wie an Land. Gäste und natürlich auch Segler müssen unzählige Regeln beachten. Auf sie warten dafür aber auch einige wunderschöne Ankerplätze. Doch Saint Barth wäre nicht Saint Barth, wenn diese nicht auch ihren Preis hätten. Die traumhafte Insel ist hochexklusiv und nicht für alle erschwinglich.
Die Hafeneinfahrt von Gustavia an der Westküste ist betonnt. Hier kann man entweder an der Mole oder an einer Boje im Hafenbecken festmachen. Wer lieber ankert, kann das an gut geschützten, aber kostenpflichtigen und streng reglementierten Plätzen tun. Der einzige kostenlose Ankerplatz befindet sich an der Nordwestspitze der Insel in der Colombier Bay. An allen anderen Orten, die sich gut eignen würden, wie etwa die St. Jean Bay, ist Ankern verboten oder nur Charterfirmen erlaubt. Nordwestlich von Saint Barth bietet sich die gut geschützte Bucht der Ile Fourchue an. Hier kann man das Boot bei einer Wasserhöhe von rund 4 Metern bequem an einem Ankerstein vertäuen.
Doch auch Saint Barth hat neben Gustavia weitere gut geschützte Ankerplätze auf smaragdgrünem Wasser zu bieten, allen voran die an einem herrlichen Strand gelegene Anse du Gouverneur im Süden der Insel zwischen La Grande Pointe und der Pointe du Gouverneur.
Eine weitere Möglichkeit bietet die 3 m tiefe, von einem grauen Sandstrand gesäumte Anse de Marigot. Sie befindet sich im Meeresschutzgebiet, ist aber kaum geschützt. Ausserdem ist Angeln dort verboten.
Die Anse du Colombier liegt im Norden der Insel zwischen einer der Pointe vorgelagerten, von Felsen umgebenen Insel und der Pointe Colombier. Die Colombier Bay ist eine wunderschöne, gut vor Ostwind geschützte Bucht. Hier kann bei 4-5 Metern Tiefe gratis an Ankersteinen festgemacht werden. Sie ist Teil des Meeresschutzgebietes und geizt nicht mit Reizen. Besonders in der Nähe der Felsen ist der Meeresgrund von überwältigender Schönheit. Dort tummeln sich Schildkröten, Rochen und Langusten.
Die nahe dem Flughafen gelegene Saint Jean Bay ist von einem langen, weissen Sandstrand mit vielen Restaurants und einem Wassersportzentrum umgeben. Für Schiffe sind im Südosten einige Plätze vorgesehen. Da die Wellen bis zu 3 m hoch werden, wird der Einsatz von zwei Ankern empfohlen.
Vor der Inselhauptstadt Gustavia sind für Jachten unter 200 Fuss (60 Meter) und einem Tiefgang von höchstens 5 m 60 Plätze vorhanden. Der Innenhafen kann zusätzlich 14 Boote unter 25 m und mit einem Tiefgang von weniger als 4 m aufnehmen. Weitere 100 Plätze sind ausserhalb des Hafens verfügbar. Der Ankerplatz Corossol gehört zur Gustavia Bay und ist, wie auch die Plätze vor dem Hafen, kostenpflichtig.
Weitere Informationen erhalten Sie beim Hafenamt:
Tel.: 0590 27 66 97, Fax: 0590 27 81 54,
E-Mail: port.de.gustavia@wanadoo.fr






