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Loïck Peyron

Vielseitigkeit ist meine Spezialität

Text: Brice Lechevalier

Jahr: 2010

Wie glauben Sie, wird sich die Challenge weiterentwickeln?
Ich glaube, dass das Niveau interessant bleibt. Das Bestreben der Eigner und Organisatoren, den Circuit internationaler zu gestalten, eröffnet neue, vielversprechende Perspektiven. Vielleicht wird der auf Mulithulls ausgetragene America›s Cup neue Besatzungsmitglieder oder sogar neue Teams anlocken. Andererseits ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der Klasse etwas die Luft ausgeht, denn das kommt in jeder Bootsklasse vor. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Regatta näher zum Publikum bringen. Die Zuschauer sehen nicht sehr viel vom Geschehenauf dem Wasser und sind in letzter Zeit deshalb auch spärlicher ge worden. Wahrscheinlich muss man einen Kompromiss zwischen dem Format der Trophée Clairefontaine oder den Extreme 40 und dem der D35 finden.Werden Sie in der kommenden Saison zwischen der Extreme 40

 

Oman und der D35 Okalys-Corum hin- und herwechseln?
Das weiss ich noch nicht, das wird sich zeigen. Fest steht, dass ich am ersten Event der Extreme 40 nicht teilnehmen kann, denn dann bin ich noch mit Jean-Pierre Dick am Barcelona World Race unterwegs. Mein America’s-Cup-Projekt wird mir aber bestimmt nicht viel Zeit für anderes lassen.

 

Welche Aufgabe übernehmen Sie bei diesem America’s-Cup Projekt?

Ich bin an allem interessiert. Ich könnte mir ebenso gut vorstellen, im Design Team als auch als Skipper zu arbeiten. Ich segle seit dreissig Jahren auf allen möglichen Mehrrümpfern und dadurch wurden mir vièle Türen geöffnet – auch wenn es noch andere Segler mit einer solchen Erfahrung gibt. Der America’s Cup wurde schon immer und zurecht als Regatta für Spezialisiten bezeichnet. Das trifft sich gut! Die Franzosen sind Spezialisten des Multihulls und haben das bei den Formule 18, an der Route du Rhum und der Jules Verne Trophy auch schon oft unter Beweis gestellt.

 

Warum also nicht ein gemeinsames Projekt starten?

Ich habe mit an meinen Bruder Bruno Peyron gewandt und wir geben uns drei Monate, um gemeinsam die für unser Ziel erforderlichen Teams und sportlichen, technischen und finanziellen Ressourcen aufzutreiben. Wir sind Auch mit Jochen Schümann und Stéphane Kandler von All4One im Gespräch, um eventuell unsere Kräfte zu bündeln. Beim Barcelona Race mit Jean-Pierre Dick werde ich einen Teil meiner freien Zeit bestimmt nutzen, um am Design und der Gestaltung der künftigen Cupper zu arbeiten.

 

Das ist der Vorteil von Zweihandregatten! Welche Vor- und welche Nachteile be-scheinigen Sie diesem 34. America’s Cup?

Dass sich die Multihulls durchgesetzt haben, finde ich natürlich sehr positiv. Der Cup wird dadurch zwar in bestimmten Bereichen verlieren, dafür in anderen viel gewinnen. Die alte Dame erhält eine Verjüngungskur, was sie dringend nötig hatte, und auch der Schmelztiegel der Partner und der Segler wird erneuert.
Derzeit herrscht ein unglaublicher Konserva- tivismus. Die meisten Personen und Syndikate sind bereits seit 15 Jahren mit dabei und wollen das auch bleiben, auch wenn sie sich über ihre Wissenslücken im Multihull-Segeln bewusst sind. Als die Kiwis nach Almeria gereist sind, um die Extreme 40 in Augenschein zu nehmen, wurde ihnen bewusst, dass Mehr rumpfsegeln nicht so einfach ist und es sichum eine echte Spezialität handelt. Es wird ein neues Kapitel geschrieben und dazu beizutragen, wäre aufregend. Ich bin allerdings überhaupt nicht davon überzeugt, dass die Flügelsegel eine gute Lösung sind. Ich habe Russell Coutts darauf hingewiesen, dass die Show darunter leiden würde und dass diese Segel auch erhebliche logistische Probleme mit sich bringen würden. Glaubt man den Challengern kann sich das alles noch ändern.

 

Wie bereiten Sie sich auf das Barcelona World Race vor, das Sie mit Jean-Pierre Dick segeln werden?
Jean-Pierre und ich kennen uns sehr gut, wir haben bereits die Transat Jacques Vabre zusammen gewonnen und wissen beide, wie man auf einem solchen Boot einhand segelt. Unsere Vorbereitung bestand deshalb auch im Wesentlichen darin, das Boot zuverlässiger zu machen, obwohl es eigentlich im letzten Sommer, als es aus Neuseeland gekommen war, bereits eine halbe Weltumsegelung absolviert hat. Ich bin in Panama an Bord gegangen und wir sind 2500 Seemeilen bis Newport gesegelt und haben dann in der Bretagne bis Mitte Oktober einige Testfahrten unternommen. Danach wurde das Boot nach Saint-Malo gebracht, weil Jean-Pierre auch die Route du Rhum bestritt. Mitte Dezember werden wir uns in Barcelona treffen, um dort vor dem Start zum Barcelona World Race die Segel zu testen.

 

Welche Teams haben Ihrer Meinung nach die grössten Podestchancen?
Das Casting kann sich sehen lassen! Es gibt einige gut funktionierende Paarungen und auch einige interessante Kombinationen zwischen den Paarungen und ihren Booten. Ich finde übrigens, dass die Boote der alten Generation immer noch gleich gut sind, auch wenn die neueren ein grösseres Geschwindigkeitspotenzial haben. Einige Boote wurden gerade erst eingewassert und müssen sich erst noch bewähren. Ganz ehrlich kann ich nicht sagen, wer aufs Podest fährt. Es wird ein eindrücklicher Kampf werden.

Zuvor treten Sie noch am World Yacht Racing Forum auf. Zu welchen Zweck?
Ich hatte die letzte Ausgabe verpasst, weil ich mit Alinghi gerade in Ras al-Khaimah trainierte und ich finde es angenehm und interessant, unsere Erfahrungen in einem Umfeld auszutauschen, das über die französischsprachige Segelszene hinausgeht. Meistens sind diese Foren stark englisch geprägt und ich vertrete doch eher die frenchy -Schule, die für völlig andere Werte steht. Es gibt ne-ben mir nur wenige Segler, die von einem Boot ins nächste hüpfen, zum Beispiel eine Vendée Globe absolvieren und dann einen America’s Cupper steuern. Das spricht viele Leute an und ich erzähle ungemein gerne darüber. Wie ich oft sage, besteht meine Spezialität darin, dass ich ein Allrounder bin. Ausserdem werden die Begegnungen am Forum bestimmt spannend und bereichernd sein. Der Segelsport ist eine unglaublich vielfältige Welt, viele Segler beschränken sich auf eine Disziplin, andere wie ich wechseln zwischen den Bootsklassen hin und her, was mich zwingt, mich mit allen Facetten zu beschäftigen.

 

Sie sind Aktionär der Werft, in der die Alphena Yacht gebaut wird. Es wurden auch schon Jachten in der Schweiz verkauft. Inwiefern eignet sich das Einrumpfboot für Schweizer Seen?
Zunächst einmal ist es elegant und Eleganz ist oft wirksam. Wenn man am Wasser wohnt, ist das Boot ein Traum. Ich lebe in der Bretagne und dort ist das Meer etwas zu aufgewühlt, so dass ich das Boot nicht vor dem Haus stationieren kann, aber auf dem See ist es perfekt. Stellen Sie sich vor, Sie kommen von der Arbeit nach Hause, nehmen Ihre Kinder oder Ihre Frau auf das schöne, kleine Segelboot mit, drehen den Schlüssel des Elektromotors, gleiten geräuschlos aus dem Hafen, setzen die Segel und lassen es sich gutgehen. Die Alphenas sind für Seen gemacht. Wir liefern im Frühling zwei weitere Einheiten in der Schweiz aus, die nächste aber geht in die Antillen und einige sind am Mittelmeer stationiert.

 

Der stets gut gelaunte Bretone ist auf unseren Seen Stammgast. Er ist Tausendsassa und Genie zugleich. 42 Atlantiküberquerungen, davon 17 einhand, zwei Weltumsegelungen, fünf ORMA-Weltmeistertitel und Dutzende Siege auf Ein- oder Zweirümpfern stehen bereits auf seinem Konto. Im September holte er sich auf einem Katamaran zum siebten Mal die Trophée Clairefontaine. Den kommenden Winter wird er damit zubringen, auf einem Einrumpfboot das Barcelona World Race zu segeln und an seinem Challenger-Projekt für den 34. America's Cup zu feilen.

Loïck Peyron

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