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Michel Bonnefous

1. December 2003

Text: Brice Lechevalier

Können Sie uns jetzt, da der Austragungsort des nächsten America’s Cup bekannt ist, verraten, mit welchen Schwierigkeiten Sie bei der Entscheidungsfindung zu kämpfen hatten?
Schwierigkeiten gab es eigentlich keine, dafür aber eine Menge Arbeit. Mein Team und ich hatten nicht mit einer so grossen Motivation von Seiten der Bewerberstädte gerechnet; das Engagement war enorm. Es darf nicht vergessen werden, dass die Stadt sich nicht auf einen Namen auf der Landkarte beschränkt, sondern dass dahinter eine Bevölkerung und Unternehmen stecken, die sich für das Abenteuer America’s Cup einsetzen. Der Cup findet nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf dem Land statt. Unter anderem sind ein Event-Dorf, Basen für die Teams, ein Informations-zentrum, ein Medienzentrum und ein Fernsehstudio vorgesehen. Das Publikum soll dabei nicht nur etwas lernen und sich unterhalten, es soll auch wirklich vom Spektakel profitieren und die Regattazone problemlos erreichen können. Ebenso wichtig sind die Animationen und die Infrastrukturen für Dienstleistungen. Die Wetterverhältnisse sind nur ein Aspekt von vielen. Kein anderes Segelevent hatte je ein so grosses Ausmass. Da kann man nicht improvisieren.

Wurden Sie unerwartetem Druck ausgesetzt?
Der einzige Druck, dem wir ausgesetzt waren, stand in direktem Zusammenhang mit unseren Ambitionen und der Ehre, diesen einzigartigen Anlass auf die Beine stellen zu dürfen. Wir haben viel Energie in unsere Vision des “neuen” America’s Cup sowie in die Erstellung eines präzisen Pflichtenheftes gesteckt. In einigen Kreisen stiessen wir auf Unverständnis. Man kann jedoch nicht 4000 Personen (Teams, ihre Familien, Organisatoren, Sponsoren, Lieferanten, usw.) gleichzeitig auf eine Stadt loslassen ohne sicher zu sein, dass genügend Unterkunfts-möglichkeiten und Schulen zur Verfügung stehen und die mit einem solchen Projekt verbundenen administrativen Formalitäten erfüllt sind. Dazu kommen noch all die Medienleute und Fans. Allein die Fernsehteams rücken mit über 350 Personen an! Wurden der Defender (Alinghi) und die bereits bekannten Challenger (K-Challenge, Oracle, Ozboys) bei der Auswahl zu Rat gezogen? Nein, überhaupt nicht. Alinghi war anfangs ein Sonderfall, denn AC Management war noch nicht gegründet und angesichts der Flut an Kandidaturen musste ein erste Vorauswahl getroffen werden. Unter den 60 Bewerbungen befanden sich Hotels, Dörfer mit einem kleinen Stück Strand, Steuerparadiese usw. In dieser Übergangs-phase hat Alinghi beschlossen sich auf Südeuropa zu konzentrieren. Nach einer ersten Vorauswahl und der Gründung von AC Management war Alinghi jedoch nicht mehr in den Entscheidungsprozess involviert.

Wird die Wahl der Stadt die Bildung und die erfolgreiche Umsetzung neuer Challenger vereinfachen?
Ja, ganz sicher, dieses Ziel stand stets im Vordergrund. Unsere Überlegungen waren vollkommen auf die Herausforderer ausgerichtet. Auch die Wahl der Stadt gehörte dazu, obwohl einige Vorregatten an anderen Orten stattfinden werden. Man darf nicht vergessen, dass diesmal 300 Millionen Personen nur zwei Flugstunden vom Austragungsort entfernt leben und sich darunter zahlreiche Segler befinden. Durch die fehlende Zeitverschiebung und den technischen Fortschritt ist es uns möglich eine bisher unvorstellbare Segelshow zu organisieren. Die Sponsoren wünschen sich eine starke Medienpräsenz; für die Challenger wird es dadurch leichter sein sie zu überzeugen.

Hat AC Management Massnahmen vorgesehen, welche die Teilnahme der bisher sehr zaghaften Syndikate fördern oder sogar unterstützen sollen?
Die Challenger konnten ihre Teilnahme nur schlecht vor dem 15. Dezember bekannt geben, da sie ihren Sponsoren bis dahin kein genaues Programm vorlegen konnten. Wir stehen im Kontakt mit vielen potenziellen Herausforderern und wissen auch von Challengern, die sich bisher noch nicht bei uns gemeldet haben. Nach dem Sieg von Team New Zealand im Jahr 1995 herrschte während zwei Jahren Funkstille. Wir werden alles daran setzen die Bildung von Challengern zu fördern. Das Event wird grösser sein, länger dauern, früher beginnen und den Sponsoren einen besseren Return on Investment bieten. Ausserdem wird es kohärenter strukturiert sein. Der America’s Cup wird in drei Phasen ablaufen: die Vorregatten ab September 2004 bis Ende 2006, eine Flottenregatta mit allen Challengern und dem Defender im Jahr 2007 und die Ausscheidungs-regatten zwischen den Challengern, deren Sieger gegen den Defender des America’s Cup antreten kann, im Frühling 2007. Der Challenger of Record (Oracle BMW Racing) und der Defender (Alinghi) werden bei sämtlichen Phasen dabei sein. Die grösste Neuerung besteht darin, dass Teams, die noch keine Syndikate gebildet haben, ebenfalls zu den Vorregatten zugelassen sind. Sie haben die Möglichkeit sich an bereits gemeldeten Syndikaten zu messen und sich dabei selbst zu testen oder einfach nur in das Cup-Umfeld hineinzuschnuppern um so vielleicht Sponsoren zu gewinnen. AC Management wird im Jahr 2004 und 2005 in den Regionen, in denen Teams ihr Interesse für die Bildung eines Syndikats kund-getan haben, wie zum Beispiel in Kiel, spezielle Anlässe organisieren. Sie sollen die Cup-Realität so gut wie möglich wiedergeben und so den möglichen Syndikaten helfen ihr Projekt zu verwirklichen. Diese Anlässe werden grosse Ähnlichkeit mit dem Moët Cup in San Francisco* haben; die Regatten zwischen den Bootseignern fallen jedoch weg.

Wann wird es aus praktischen Gründen zu spät sein ein Syndikat für den America’s Cup anzumelden?
Ab September 2004 wird sehr viel passieren. In Europa sind drei Regatten geplant. Davon wird eine am Austragungsort des America’s Cup stattfinden. Bis 2006 werden jährlich jeweils drei weitere folgen. Normalerweise sollten die Anmeldungen spätestens im zweiten Halbjahr 2005 bei uns eingehen. Es wird sich aber trotzdem eine Lösung finden, falls ein Syndikat sich später für eine Teilnahme entscheidet.

Welche Prioritäten setzen Sie für die kommenden Monate?
In neun Monaten wird das erste Event einer langen Serie stattfinden. Jedes wird eine Woche dauern, wobei zwei Tage für die Flottenregatta und fünf Tage für die Match Races vorgesehen sind. Unser Ziel ist es dafür zu sorgen, dass jeder Anlass mindestens so wichtig ist wie sein Vorgänger. Es steht uns also viel Arbeit bevor, insbesondere im Kommunikationsbereich. Schliesslich müssen wir den betroffenen Teams mitteilen, was sie erwartet und ihnen die nötige logistische Unterstützung zur Verfügung stellen. Auch der Empfang des Publikums und die Fernsehüber-tragungen werden uns viel Energie abverlangen. Parallel dazu müssen wir Anfang Jahr damit beginnen uns vor Ort einzurichten, wobei wir die Genfer Büros natürlich behalten. * siehe Titelblatt und Dossier S. 60.

Quelles sont dorénavant vos priorités dans les mois à venir?
Dans neuf mois se déroulera notre premier événement, le premier d’une longue série. Les événements dureront chacun une semaine, laquelle sera partagée entre deux jours de régate en flotte et cinq jours de match race. Notre ambition est de faire en sorte que chaque manifestation soit au moins aussi importante que la précédente. Beaucoup de travail nous attend dans ce sens, notamment pour communiquer aux équipes concernées ce qui les attend et comment nous pouvons leur apporter notre soutien logistique. L’accueil du public et les retransmissions vont par ailleurs nous demander beaucoup d’énergie. Parallèlement, il va falloir nous installer sur place en début d’année, même si nous gardons bien-sûr nos bureaux genevois.