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“wir haben uns über den schweizer sieg sehr gefreut.”

Yves Carcelle

1. April 2004

Text: Brice Lechevalier

Letztes Jahr, nach dem Sieg von Alinghi, wurde viel geredet und gemunkelt, ob Louis Vuitton beim nächsten Cup wohl noch mit dabei sein werde. Was hat Sie motiviert, Ihre Partnerschaft zu erneuern und wer hat Sie bei Ihrer Entscheidung am stärksten unterstützt?
Wir haben uns über den Schweizer Sieg sehr gefreut. Nach 150 Jahren wurde der Cup endlich wieder nach Europa geholt! Wir haben die Diskussionen mit ACM, die wir schon vor dem Sieg von Alinghi begonnen hatten, schnell wieder aufgenommen. Dabei sind wir diskret, aber zielsicher vorgegangen. Diese Diskretion war es wohl auch, die zu Gerüchten geführt hat. Wir waren fest entschlossen unsere Zusammenarbeit mit dem America’s Cup weiterzuführen, denn nach 20 Jahren gehört er zum Kulturerbe unseres Hauses.

Die stärkste Unterstützung wurde uns von den Mitarbeitern von Louis Vuitton zuteil. Ich glaube aber, dass auch ACM nicht böse ist, sich auf die Erfahrung unserer Teams stützen zu können.

Louis Vuitton hat immer viel Wert darauf gelegt, die Rolle des Organisators und nicht einfach nur die des Sponsors zu spielen. Wie sieht es heute damit aus?
Wir waren seit 1983 als Co-Organisator des Louis Vuitton Cups tätig und während des gesamten Events für die Kommunikation und das Pressezentrum verantwortlich.

Der Schweizer Sieg hat zu einer neuen Rollenverteilung geführt.

ACM hegt grosse Ambitionen für den Cup und möchte den Anlass auf spektakuläre Art und Weise weiterentwickeln. Das ist erfreulich. Wir haben andere organisatorische Aufgaben übernommen. Unsere Sichtbarkeit im Cup wird noch grösser sein.

Neu werden wir in zahlreichen Bereichen, an denen uns viel liegt, mit ACM zusammenarbeiten.

Louis Vuitton war der offizielle Zeitnehmer des Louis Vuitton Cups und wird diese Aufgabe jetzt auch im America’s Cup übernehmen. Warum war Ihnen das wichtig?
Das Timing der Regatten sorgt für eine starke Fernsehpräsenz und die war für die Übernahme unserer neuen Aufgabe als Zeitnehmer entscheidend.

Haben Sie im Rahmen dieses Engagements die Lancierung neuer Produkte geplant?
Ja, wir spielen mit dem Gedanken. Genaueres werden wir im Herbst bekannt geben.

Verfügen Sie über die nötigen Mittel, um die Bildung von neuen Syndikaten zu unterstützen? Angesichts der geringen Anzahl Challenger befürchten einige Beobachter das Schlimmste.
In diesem Bereich kann Louis Vuitton ACM unterstützen. In Japan beispielsweise haben wir früher einmal bei der Bildung eines japanischen Teams mitgeholfen, nicht finanziell, sondern mit unserer guten Landeskenntnis. Wir werden versuchen, für den bevorstehenden Cup bei ACM die Teilnahme eines japanischen Syndikats durchzusetzen. Ich bin überzeugt, dass am Louis Vuitton Cup 2007 rund zehn Teams dabei sein werden.

Wie lässt sich die Spannung angesichts der Stärke von Alinghi und Oracle aufrecht erhalten?
Oracle BMW und Alinghi haben den Newcomern gegenüber sicherlich etwas Vorsprung, der Cup liegt aber noch in weiter Ferne und der Rückstand – falls es den überhaupt gibt, da bin ich kein Fachmann – kann bestimmt aufgeholt werden. Die Situation würde anders aussehen, wenn der Cup schon in 18 Monaten stattfinden würde!

Sieht der Vertrag mit AC Management einen finanziellen Beitrag im Verhältnis zur Anzahl Challenger, die schlussendlich am Cup teilnehmen werden, vor?
Ich darf die Einzelheiten unserer Partnerschaft nicht preisgeben, aber ich muss Ihnen wahrscheinlich nicht sagen, dass der Cup weder denselben Wert noch dieselbe Wirkung hätte, wenn reine Duelle angestrebt würden, wie sie den America’s Cup 120 Jahr lang geprägt haben. Der Cup 2007 wird kein Duell zwischen Alinghi und Oracle BMW sein, sondern viele andere Teams mit echten Chancen in den Kampf miteinbeziehen.

Bringt die Wahl von Valencia als Austragungsort Louis Vuitton kommerzielle Vorteile?
Valencia war zusammen mit Marseille unsere Wunschstadt. Hauptsache war jedoch wie gesagt, dass der Pokal zurück nach Europa kam. Spanien ist ein dynamisches und vor allem segelbegeistertes Land, das beste Beispiel dafür ist seine Majestät König Juan Carlos. Der Cup ist dort gut aufgehoben.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern besitzt Spanien für Louis Vuitton ein grosses Potenzial. Wir werden auf lokaler Ebene bestimmt von einer besseren Sichtbarkeit profitieren, die uns helfen wird uns schneller weiterzuentwickeln.

Der Louis Vuitton Cup befindet sich zur Zeit in Genf. Hat sich das auf die Geschäftsergebnisse von Louis Vuitton in der Schweiz ausgewirkt?
2003 konnte Louis Vuitton in der Schweiz einen deutlichen Verkaufszuwachs verzeichnen. Diese Entwicklung hat sich im Übrigen in den ersten drei Monaten dieses Jahres bestätigt. Wir haben beschlossen unser Geschäft in Zürich zu verlegen und es zu vergrössern. Ausserdem werden wir Ende März ein neues Geschäft in Lugano eröffnen und planen die Eröffnung einer Boutique in Gstaad Ende Dezember. Obwohl dieser Aufschwung in erster Linie auf einige firmeninterne Faktoren zurückzuführen ist, konnten wir feststellen, dass der Sieg von Alinghi die Schweizer mit Stolz und neuem Selbstvertrauen erfüllt hat. Wir profitieren bestimmt auch von einem Alinghi-Effekt.

Haben Sie selbst Zeit zum Segeln?
Ich segle nur als Amateur, aber ich chartere fast jeden Sommer eine Segelyacht um mit meiner Familie und mit Freunden zu segeln.